Energieszenarien sind groß angelegte Täuschung
Zu der Kritik des Bundesumweltministeriums an der Qualität der
Energieszenarien von EWI, Prognos und GWS erklärt Hans-Josef Fell, Sprecher
für Energiepolitik der bündnisgrünen Bundestagsfraktion:
Das Umweltministerium hat recht. Die Energieszenarien sind das Papier nicht
wert, auf dem sie geschrieben wurden. Es handelt sich hier um einen groß
angelegten Täuschungsversuch. Die Szenarien für Laufzeitverlängerungen
wurden mit unzulässigen Annahmen gedopt. Die Ergebnisse sind höchst skurril:
So sollen Waschmaschinen im Falle von Laufzeitverlängerungen effizienter
werden als ohne Laufzeitverlängerungen. Die Menschen würden dann weniger
fliegen und selbst die Medikamente würden besser. Im Übrigen würden auch
Benzin und Diesel teurer als ohne Laufzeitverlängerung. Wer dies für einen
Witz hält, sollte sich das Machwerk genau anschauen. Nur mit solchen
unwissenschaftlichen Manipulationen kommen die Gutachter halbwegs auf das
von Kanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Brüderle gewünschte Ergebnis.
Zu Recht kritisiert das Bundesumweltministerium, dass die Studien keine
volkswirtschaftlichen Gesamtkostenrechnungen enthalten. Dazu gehören auch
die volkswirtschaftlichen Lasten, die entstehen, wenn wie in den Studien
vorgesehen der Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor zunächst
stark abgebremst und dann weitgehend beendet wird. Dies wäre auch das Ende
dieser Zukunftstechnologien in Deutschland. Statt neuer Arbeitsplätze gäbe
es Konkurse und zusätzliche Arbeitslosigkeit, selbst bei einer
Laufzeitverlängerung von nur wenigen Jahren. Die sogenannte Brücke
Kernenergie wird so zur Guillotine für erneuerbare Energien. Der
Bundesumweltminister muss die Konsequenzen ziehen und gegen jegliche
Laufzeitverlängerung angehen, wenn er nicht zum Totengräber des Ausbaus der
erneuerbaren Energien in Deutschland werden will.
Die Bundeskanzlerin will diese höchst unwissenschaftliche Arbeit zur
Grundlage ihrer Energiepolitik machen. Damit beteiligt sie sich zugleich an
dem groß angelegten Manipulationsversuch zu Gunsten einiger Konzerne der
Energiewirtschaft.
(c) Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
|