Atom: Blindflug Grafenrheinfeld
Zu dem meldepflichtigen Befund am Primärkreislauf des Atomkraftwerks
Grafenrheinfeld und dem Umgang des Bundesumweltministeriums damit erklärt
Sylvia Kotting-Uhl, Sprecherin für Atompolitik der bündnisgrünen
Bundestagsfraktion:
Mit der Entscheidung, das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld weiterlaufen zu
lassen, brechen Minister Röttgen und sein oberster Reaktoraufseher, der
Atomlobbyist Gerald Hennenhöfer, ein Tabu. Als vor über einem halben Jahr
ein Befund am Primärkreislauf des Atomkraftwerks festgestellt wurde, hätte
es nur eine Konsequenz geben dürfen: Grafenrheinfeld erst wieder ans Netz zu
lassen, wenn die Ursache geklärt und das Problem behoben ist. So wurde das
bisher gehandhabt und so muss das auch bleiben.
Doch das Umweltministerium beschwichtigt und wartet ab. Ohne überhaupt zu
wissen, worum es sich genau handelt und ohne die Ursache des Befundes zu
kennen, wird das Risswachstum beurteilt und die nicht-vorhandene
Sicherheitsrelevanz bescheinigt. Kurz gesagt, Grafenrheinfeld ist im
Blindflug unterwegs und Röttgen guckt zu. Das ist inakzeptabel.
Statt die gebotene bestmögliche Schadensvorsorge durchzusetzen, versteckt
sich der Umweltminister lieber hinter den Experten der
Reaktorsicherheitskommission, die keine sofortige Abschaltung gefordert
habe. Das ist jedoch völlig irrelevant. Denn es obliegt der Behörde, über
die sofortige Abschaltung zu entscheiden und sie zu verfügen. Diese
Verantwortung kann und darf sie nicht auf Sachverständige abwälzen.
Solange die Ursache des Problems in Grafenrheinfeld nicht geklärt und
behoben ist, muss der Reaktor vom Netz. Und zwar sofort. Im Hinblick auf die
Laufzeitverlängerung ist auch mit Hochdruck zu klären, welchen Einfluss der
in Grafenrheinfeld bereits gefahrene Lastfolgebetrieb auf das Risswachstum
hat.
(c) Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
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