Pressemitteilung des Bundes der Energieverbraucher
Erneuerbare als Sündenbock
(12. November 2010) Ausgerechnet die zukunftsfähigen erneuerbaren
Energien müssen derzeit als Sündenbock herhalten: Angeblich sind
sie schuld an den jüngsten Strompreiserhöhungen. Entsprechend
heftig werden die Erneuerbaren befehdet. Doch die Polemik gegen
Erneuerbare ist in Wahrheit ein Ablenkungsmanöver, mit dem die
Stromkonzerne von ihren überzogenen Preisen und Gewinnen ablenken.
- Tatsächlich steigt die Umlage für erneuerbare Energien ab 1.
Januar 2011 um 1,5 Cent je Kilowattstunde von bisher 2,05 auf dann
3,53 Cent je Kilowattstunde. Diese Umlage müssen jedoch nicht die
Stromkunden zahlen, sondern zunächst die Stromversorger. Es ist
deshalb nicht wahr, dass sich die Haushaltsstrompreise automatisch
um diesen Betrag erhöhen müssten.
- Die Stromeinkaufspreise der Stromfirmen haben sich, auch durch
die Einspeisung von erneuerbarem Strom, in den vergangenen zwei
Jahren deutlich verringert. Diese Einsparungen sind etwa so hoch
wie die gestiegene EEG-Umlage. Von der Kostenseite her gibt es
deshalb keine Rechtfertigung für eine Strompreiserhöhung http://tinyurl.com/stromkaufbilliger.
- Es ist unredlich, lediglich die Kostensteigerung des EEG an die
Verbraucher weiterzureichen und die Kostensenkungen beim
Stromeinkauf stillschweigend als Zusatzgewinn einzustreichen.
- Die Gewinne der drei größten Stromkonzerne sind in den
vergangenen Jahren drastisch gestiegen: von sechs Milliarden Euro
jährlich im Jahr 2002 auf über 23 Milliarden jährlich im Jahr 2009
(http://tinyurl.com/gewinnexplosion).
- E.on Vorstand Dr. Johannes Teyssen sagte auf der
Bilanzpressekonferenz am 10. November 2010 klar und öffentlich,
dass sich die Strompreise für Haushaltskunden nicht an den Kosten,
sondern am Wettbewerb orientieren.
- Die branchenweite Erhöhung der Strompreise um 1,5 Cent/kWh hat
also den Charakter einer Preisabsprache unter den Stromanbietern.
Die Begründung "gestiegene EEG-Umlage" ist lediglich
ein Codewort, um die Öffentlichkeit in die Irre zu leiten und die
erneuerbaren Energien zu diffamieren.
- Bereits in den vorangegangenen Jahren hatten die Stromversorger
die Preise jeweils um gut einen Cent erhöht - ohne ausreichende
Begründung.
- Die Preise wurden in den vergangenen Jahren hauptsächlich von
den Grundversorgern erhöht.
- Der Bundesgerichtshof hat die Versorger in der Grundversorgung
verpflichtet, alle Kostensenkungen unmittelbar an die Kunden
weiterzugeben (BGH VIII ZR 138/07 Rn. 39, VIII ZR 81/08 Rn. 18).
Die Preiserhöhungen stellen damit vermutlich einen Rechtsbruch dar
- Der rasche Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung vermindert den
Stromabsatz aus konventionellen Kraftwerken und damit das
Kerngeschäft der Stromkonzerne. Diese Konzerne haben also allen
Grund, um ihre gewaltigen Gewinne zu zittern und dieÖffentlichkeit gegen die Förderung erneuerbarer Stromerzeugung
aufzubringen.
- Verbraucher müssen den Neubau von Kraftwerken stets über den
Strompreis bezahlen. Die Einspeisevergütung nach dem EEG senkt die
Erzeugungskosten der Erneuerbaren Energien mit großer
Geschwindigkeit. Sie entspricht daher den Kosten für den Bau neuer
Kraftwerke. Durch die Finanzierung über das EEG ist von vornherein
entschieden, dass mit diesen Geldbeträgen nur die Erneuerbaren
ausgebaut werden. Den Stromversorgern ist die Entscheidung
darüber, welche Kraftwerke gebaut werden, aus der Hand genommen.
- Der Vorsitzende der Bundesnetzagentur, Mathias Kurth, warnte
die Stromversorger davor, die gestiegene EEG-Umlage in voller Höhe
auf die Strompreise der Verbraucher aufzuschlagen. Auch der
Vorsitzende der Monopolkommission, Professor Justus Haukap äußerte
sich in diesem Sinne.
Fazit: Für den Stromkunden erwecken die Strompreiserhöhungen den
Eindruck, die Erneuerbaren würden den Strompreis im Jahr 2011 um
zusätzliche 1,5 Cent/kWh verteuern. Dieses Argument hält einer
kritischen Prüfung nicht stand. Wer dennoch so argumentiert, macht
sich fehlender Sachkenntnis oder einer interessengeleiteten
Argumentation verdächtig. Verbraucher wollen mit ihrem Geld den
Ausbau Erneuerbarer finanzieren und sind auch bereit, dafür höhere
Strompreise in Kauf zu nehmen. Versorger mißbrauchen diese
Bereitschaft, um sich die Taschen zu füllen.
Es stellt sich also nicht die Frage, ob wir uns den Ausbau der
Erneuerbaren leisten können und wollen. Denn dazu gibt es keine
Alternative. Sondern es ist zu fragen, wie lange wir den
Stromversorgern ihre überzogenen Preise und ihre Lügen noch
durchgehen lassen wollen. Durch den Anbieterwechsel weg von den
Konzernen und ihren Töchtern kann jeder Verbraucher die Rote Karte
zeigen: Ohne jedes Risiko. Er wird nicht nur mit einem guten
Gewissen sondern zusätzlich noch mit Kosteneinsparungen in Höhe
von mehreren hundert Euro belohnt.
Kontakt: Dr. Aribert Peters
Vorsitzender
Bund der Energieverbraucher e.V.
Frankfurter Str. 1
53572 Unkel
info@energieverbraucher.de
http://www.energieverbraucher.de
Der Bund der Energieverbraucher e.V. ist die einzige auf
Energiefragen spezialisierte Interessenvertretung der privaten und
kleingewerblichen Energieverbraucher in der Bundesrepublik. Der
bundesweit tätige Verband hat über 13.000 Mitglieder und ist
Mitglied in der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
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